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Last update: 11 September 2003

"Suck the brain
out of the heat"


Von Prof. M. Elosha (USA) 9/2003 ©

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Frau Prof. Dr. M. Elosha -Israel- lehrt an den Universitäten von
Chicago und Toronto Humanwissenschaften und hat Bücher wie u.a.:
„Der Weg nach Draußen -
Die Scheinheiligkeit der Fabrik Michael Jackson“
und
„Varèse - Woodstock - Cage oder Isolierte Kreaturen“ veröffentlicht.

Sitzblockaden auf toten Gleisen sind nicht sehr effektiv, aber auch nicht gesundheitsschädlich, Unsere Risikobereitschaft wird nicht aktiviert, wir können weitermachen. Gäbe es einen Grund zur Annahme, Musik könne etwas bewirken, wären wir mit der Zentralstelle für Klanganalyse konfrontiert (Bundesministerium für kulturell-künstlerische Dechiffrierung). Mit Bestürzung müßte der Musikschaffende reagieren, würde er erfahren, welche Akzeptanz sein Schaffen außerhalb des wohlbehüteten Kreislaufes der Subventionskultur hat. Gleich dem Freitod einer Grasmücke erscheint da auch die Bedeutung seiner Reaktion. Bei den Psychoanalytikern fände sich kein freies Sofa, doch zum Glück weiß ein jeder. Der Schaffende, Ausführende und der Hörer (Hörende?). Die Inanspruchnahme der lächerlichen Abgaben des Knochenmehlkonzerns ERSTE WELT an seine Mitarbeiter, Mitläufer und Mitbürger macht zwar mitschuldig, schafft aber gleichzeitig Gemeinsamkeiten, die uns Ohnmächtigen wie den Mächtigen wichtig sind, Sie gewährt uns zugleich Anonymität und Hoffnung und Distanz zu den Rohstoffen des Konzerns. Die Inanspruchnahme führt in die genannte Mittäterschaft und Ergebenheit. Eine Garantie. Aus der Abfindung mit den speziellen Folgen eines Daseins in gut gepolsterten Schubladen resultiert nicht nur Verdrängung: Wohlklang kommt aus einer Zeit, in der noch nicht so effektiv gemordet wurde wie heute, Der NEUEN MUSIK passiert es, daß sie auf Veränderungen zeigt. Damit könnte die Verstörung, sich ausdrückend in zum Teil wilden Klangkatastrophen, Grund genug sein, die Gefangenschaft zu begrüßen. Immerhin wird gezeigt, entwickelt und verärgert. Was soll / kann / mehr, welche Kunst. Ja wir drehen uns im Kreise. Letztlich ist es so wie immer. Jeder kann selbst wissen, was etwas bedeutet oder auch nur bedeuten soll. Und wenn nicht, muß eben alles Unverständliche Kunst bleiben. Ich hörte vor kurzem von einer in Berlin ins Leben gerufenen Bewegung "IRRENOFFENSIVE". Sie beinhaltet eine Ausdrucksweise in der NEUEN MUSIK, ein wenig Literarisches, Zeichnung und Grafik und eine besondere Art des Umgangs mit Administration. Mir erscheint zwar Stillstand als Gegensatz zu Bewegung in unserer Zeit noch als der größere Fortschritt, doch ist irrenoffensive ein adäquater Begriff zur Inanspruchnahme unserer Berechtigung anwesend zu sein Sein).

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Nachtrag zum Komponisten Helmut Oehring *

Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen wäre völlig unbeabsichtigt. "Er fühlt nichts, wenn er komponiert", sagt er und man glaubt ihm besser. in Oehrings Arbeiten geht es seit 1988 um die Deformation und Reformation von Wirklichkeit, um eine Verdichtung der Realität, ihre "Weiterführung mit anderen Mitteln". Erreicht wird eine Kurzschrift der Gefühle. Er hofft, Bilder zu schaffen, keine Abbilder. Phantasie interessiert ihn nicht, ihn interessiert nur Realität. Dabei hat er mehr Glück als Verstand, weil der Verstand nie solche Musik zustandebringen würde. Oehring hat nie eine Kunstschule besucht - er hätte dort all das gelernt, was er nicht wissen wollte. "ich will nichts ausdrücken, aber vielleicht scheint es unbewußt durch." Oehring hat eine Affinität für alles Sterbliche. In seinen Partituren ist der Tod gleich nebenan. Alles auf engstem Raum. Horror-Bilder? Schock-Bilder? KOMALOSHEITROSENSUCKLEUCHTERCAYABYAB FOXFIREBRAINEIN SZWEIDREIWRONG Schadet die Ästhetisierung dem Thema? Keineswegs, im Gegenteil: Erst die perfekte ästhetische Darstellung läßt das Grauen deutlich werden. Chaos und Gewalt erzeugen in ihm erstaunliche, aufregende Bilder. Aber! Lies Zeitung! Sieh TV! Wie könnte Oehring damit konkurrieren? Kunst ist ein Kunstprodukt. Je künstlicher desto besser. "Ich glaube, meine Musiken haben mit Schmerz nichts zu tun." In dem Moment, wo etwas gesagt wird, das ehrlich erscheint, ist es schon wieder anders. Also vielleicht ist es das nicht. Es ist wie es ist. Kunst ist Kunst und alles andere ist alles andere. Oder? Wenn man etwas Wahres in seinen Arbeiten einfügt, hat es immer etwas damit zu tun. So denkt es sich. "Was meine Arbeiten betrifft, bin ich optimistisch bzw. pessimistisch, in Bezug auf nichts. Alles ist wichtiger als Wahrheit, Es gibt nichts zu retten. Gute Nacht!'? Oehring ist wahrscheinlich kein Mörder, Vielleicht ein Zeuge hinter einer Glaswand. Was hält ihn zurück? Wie kommt er davon? Der ökonomische Faktor! Alles auf engstem Raum! Krankheitsbilder, Evangelisti, Schizophrenie, Webern, Todesspritzen, Baker, Intensivstationen, Hendrix, Auschwitz-Lüge, Ice-T, KillerÄrzte. ICH HABE DIR NIE EINEN ROSENGARTEN VERSPROCHEN hat er sein neuestes Orchestervorhaben betitelt. Keine Ahnung? Oehring ist noch nie wirklich eine Komposition gelungen, Zum Glück auch; die "aufrührerische" Position von z.B. Rock'n Roll hat Revolution eher verhindert (ohnehin findet dort eine Vermarktung von Idealen statt, wie ich sie mir nur noch im Cyberspace vorstellen kann). "Gott segne Sie. Geht raus. Geht nach hinten. Die erste Lösung gelangt in die Person. Er ist wach, dann schläft er ein." Schlagartig, wie der Wetterwechsel in diesem Sommer, konfrontiert uns Oehring mit diesen unsäglichen Tempi ab Takt 5, 15, 33 und 77, als ich ihn eben unter: "das hab' ich doch schon mal..." abhaken wollte. Und ich bin unsicher, ein Effekt oder ein Buhruf von der Bühne hinab. Na, ihr habt doch alles schon gehört und jetzt also Blut. Und weg damit. Ich will an dieser Stelle nicht sagen, welches der beiden zur Uraufführung kommenden Stücke gemeint ist. [bezieht sich auf die UA des Gitarrenstückes am 8, 10., die Red.] Sowieso schreibt Oehring immer dasselbe. Das Raster ändert sich, auch der Ort und damit die Hall-Zeit - besser: die Zeit des Nachhalls.) Oszillierend fortlaufende Strukturen werden jäh von Generalpausen verschluckt, die einmal den Atem nehmen und ein andermal die Konzentration auf die Resonanz des eigenen Körpers verstärken. Die Interferenzen bewirken hier nicht den Stillstand, auch wenn das gis' ab Takt 54 uns solches suggerieren mag: Hier hört alles auf. Diesen Schwachsinn kann ein geübter Schriftlieferer unter jedes Bild, Gedicht oder Musikstück schreiben. Helmut, habe ich gesagt, ich kann hier nicht über Musik schreiben.