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Musik/Text:
Iris ter Schiphorst
Helmut Oehring
POLAROIDS Melodram
für 1 Taubstumme, 1 Sopranisten,
12 Instrumente und Live-Elektronik
1996
Partitur
POLAROIDS melodram
für 1 Taubstumme, 1 Sopranisten,
12 Instrumente und Live Elektronik
Ein Mann und eine Frau. Ein Paar. Eine alte Geschichte.
Ein Sopranist und eine Taubstumme. Eine schöne Geschichte.
(Zumindest dem Anschein nach).
In ihrer ursprünglichen Version: Vernichtung des Anderen und ldealisierung des Lauts.
Gebärdensprache wirkt wie eine Großaufnahme von Sprechen und kommt doch im Aufeinandertreffen mit der sinnlosen Schönheit des Gesangs nicht über ihren Stummfilmcharakter hinaus. Ihre Dramatik verstellt den Blick dafür, daß es sich nicht nur um eine eigenständige Sprache handelt, die sämtliche systemlinguistischen Kriterien erfüllt, sondern um den Ursprung von Sprache schlechthin. Ihr Begriff ist nicht an Laute gebunden, die aus der Kehle kommen.
Ausgangsmaterial von POLAROIDS sind kurze Handlungseinheiten, die in verschiedenen
Sprachsystemen erzählt werden. Sie treten jedoch nicht linear in Erscheinung, sondern wer
den - wie z.B. im Film - zerschnitten und montiert.
Die Entstehungsfrequenz der einzelnen Abschnitte, identisch mit der tatsächlichen
Entwicklung eines Polaroids, ist Abbild einer Sprach-Gebärde im Raum und wird -zum Teil
asynchron zu Text und Handlung - in unterschiedlichen Perspektiven
(wie Normaleinstellung, Nahaufnahme, Totale, Rück- und Vorausblende) flektiert.
In dieser Art der Raumgrammatik prallen Musik und Gebärdensprache nur scheinbar
aufeinander.
In Wirklichkeit ist Gebärdensprache, trotz ihrer Laut-losigkeit, dem System der Musik
wesentlich ähnlicher als der gesprochenen phonetischen Sprache.
Das Klangbild von POLAROIDS ist über weite Strecken ihre Übertragung in Schrift.
Bab(b)ellogik.
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