FP: 27.April 2002 Theater Aachen

BLAUWALDDORF

-weit-aus-ein-ander-liegende-Tage

musiktheatralische Ortsbestimmung
für 5 Gehörlose, 2 Sänger, E-Gitarre, Orchester und Live-Elektronik
Text/Musik: H. Oehring
Inszenierung: Claus Guth
Surround Sound: GOGH s.m.p. / T. Ottersberg

Keine "Oper", in der Bilder und Situationen in direkter Abhängigkeit zu Klang, Harmonie und Rhythmus entstehen. Helmut Oehring unterwirft seine Ideen der Suche nach der Utopie eines kurzen, aber für möglich gehaltenen Moments der Verständigung. Das zu Sehende, das zu Hörende und das als Erlebnis zu Erwartende folgt einer höchst individuellen Klang- und Bilderwelt, die Helmut Oehring nicht nur in seiner Zeit als Komponist, sondern bereits seit seiner Kindheit vorhergesehen und vorausgehört hat. Aus dem persönlichen, außergewöhnlichen Umgang mit Kommunikation resultiert der Wunsch der unmittelbaren Wirksamkeit von Sprache: direkt, unmißverständlich und ohne Nebenwirkungen. Dahinter steht das Hoffen, daß der Umgang mit dem Sprechen zuallererst das Kriterium ist, das den Menschen zur Menschlichkeit befähigt. In seiner unendlichen Vielfalt und Facettenhaftigkeit beinhaltet dieses höchste Kulturgut menschlichen Daseins in seiner Brüchigkeit und Unfertigkeit auch das individuelle Scheitern eines jeden Menschen. Helmut Oehring sucht nicht den äußeren Konsens, denn er hat seit seiner Kindheit lernen müssen, daß Arten von Kommunikation trennen können. Szenen, Einblendungen und Klanginstallationen suchen den Ort, an dem Kommunikation in der Form der Unmißverständigung funktioniert - und sei es auch nur für einen endlichen Augenblick.