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Uraufführung will zur Eröffnung des 18. Kurt-Weill-Festes in Dessau-Roßlau eine Brücke schlagen
Heine trifft Brecht und Weill: Rockinseln mit Klangantworten
Von Helmut Rohm



+ Das "Mahagonny Songspiel" von Brecht/Weill und Helmut Oehrings "Die WUNDE Heine" eröffneten das Kurt-Weill-Fest. Foto: Thomas Ruttke
Was haben Heines Verse " Denk ich an Deutschland in der Nacht " und Kurt Weills Alabama-Song gemeinsam ? Auf den ersten Blick eigentlich nichts. Dennoch gehören beide Textzeilen zu " Offene Wunden ", einem Abend mit zwei Songspielen und Film, der zur Eröffnung des 18. Kurt-Weill-Festes am Freitagabend im Anhaltischen Theater Dessau seine Uraufführung hatte.

Dessau-Roßlau. Vor etwa vier Jahren erhielt Helmut Oehring vom Kurt-Weill-Fest einen Kompositionsauftrag. Grundlage und Orientierung sollte das von David Drew neu editierte " Mahagonny Songspiel " von Kurt Weill / Bertolt Brecht sein, das 1927 in Baden-Baden seine Uraufführung erlebte.

Helmut Oehring gestaltete einen " Doppelabend ", an dem sich der Aufführung des " Mahagonny Songspiels " nahtlos die Neukomposition " Die WUNDE Heine " anschloss. Das Ensemble Modern, ein weltweit führendes Ensemble für Neue Musik, unter Leitung von Frank Ollu, präsentierte mit faszinierendem Weill-Klang auf der schwarzen, mit wenigen Versatzstücken und einer großflächigen Projektionsfläche ausgestatteten Bühne das " Mahagonny Songspiel ". Die Gesangspartien gestalteten mit Salome Kammer und Sylvia Nopper sowie den Mitgliedern des Quartetts Atrium Ensembles, Oliver Uden, Philipp Neumann, Martin Schubach, Frank Schwemmer, meisterlich agierende Weill-erfahrende Interpreten.

Durchweg wurde die instrumental-gesangliche Aufführung visuell von einem Videoscreen begleitet. Das Regieteam Stefanie Wördermann und Helmut Oehring, das auch die Ausstattung übernahm, griff damit die Idee von Caspar Neher bei der Baden-Badener Uraufführung des " Mahagonny Songspiels " auf. Einer formalen Klammer gleich, zur Verdeutlichung der inhaltlichen und dramaturgischen Zusammenhänge, hatte der Weill-Freund spezielle Filmsequenzen produziert, die eingespielt wurden.

Für die Dessauer Uraufführung schuf der Grafiker und Filmemacher Hagen Klennert einen zweiteiligen Film mit Realszenen, Videoanimationen, Grafiken sowie Standbild- und Textprojektionen. Auch strukturell glich Helmut Oehring den zweiten " Heine-Teil " dem " Mahagonny Songspiel " an. Die Premierengäste erlebten gewissermaßen in der Auseinandersetzung Oehrings mit dem Inhalt des Songspiels eine Fortsetzung und Rücksicht auf die Voraussichten im Weill-Brecht-Werk, auch eine moderne instrumentale und gesangliche " Klangantwort " darauf.

Nach dem " Mahagonny Songspiel " und der Heine-Textprojektion " Andre Zeiten, andre Vögel ! Andre Vögel, andre Lieder !" folgten sechs " Heinrich-Heine-Gesänge ". Das von Stefanie Wördemann geschriebene Textbuch basiert auf Heines Gedichtausschnitten und ergänzenden Oehring-Texten. Auffällig ist die dabei der ungemein dominante aktuelle Bezug der Texte.

Aus den " Mahagonny-Personen " wurden 1 : 1 M ( athilde ) sowie die mit den Initialen H, E, I, N, und E bezeichneten " Geister von Heine ". Helmut Oehring schuf mit Harry ( zweiter Vorname Heines ) einen zusätzlichen Protagonisten.

Oehrings reizvolle Komposition, von den Akteuren ebenso engagiert auf die Bühne gebracht, fordert vom Publikum die Bereitschaft zu " neuem Hören ". In das Gesamtgefüge ordnet der Komponist " Songfenster " ein. In Anlehnung an die instrumentalen Zwischenspiele das " Mahagonny Songspiels " verzahnt Helmut Oehring die Texte mit, wie er sie nennt, " Rockinseln ". Jörg Wilkendorf als Harry ist auch Solo-E-Gitarrist und Sänger. Zu hören waren unter anderem, kongenial zu den Heine-Texten, Titel von Rio Reiser, Norbert Krause und Ton Steine Scherben.

Wenig optimistisch, so wie bei Mahagonny, lässt es Oehring mit Heine enden : " Die alten bösen Lieder, die Träume schlimm und arg, die lasst uns jetzt begraben, holt einen großen Sarg. "

Mit zustimmendem Beifall, teils mit Jubel, teils auch etwas verhalten, honorierte das Premierenpublikum den Abend.



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Dokument erstellt am 01.03.2010 um 05:53:13 Uhr
Erscheinungsdatum 01.03.2010 | Ausgabe: mdx