
Zeichnung Hagen Klennert (©)
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MISCHWESEN (1998)
(with Iris ter Schiphorst)
after the poem SILENCE by Anne Sexton
and texts by Helmut Oehring and Iris ter Schiphorst
for deaf women, 3 trumpets and keyboard
FP: 1998 Gent Festival November Music Belgium/Netherlands
Christina Schönfeld, deaf soloist
ASKO Ensemble, cond Roland Kluttig
duration: ca. 20 '
Also: version for oboe, flute, bassoon, keyboard and soloist
FP: 1999 Bremen (members of the Ensemble Aventure Freiburg)
Also: version for flute, clarinet, bassoon, keyboard
FP: 6/2002 Kassel (St. Martin), Ensemble lart pour lart
Also: version for trumpet, trombone, tuba, keyboard
FP: 11/2002 Berlin (Hebbel Theater)
idea/visual concept: Daniel Kötter
soloists M. Gross, A. Digby, R. Hayword
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MISCHWESEN (La Tristesse durera)
mit Verlust ist zu rechnen -
für 1 Gehörlose Solistin, 3 Trompeten und Sample Keyboard
Eine Montage folgender Texte:
1) "Die Stille" ein Gedicht von Anne Sexton
Dargestellt in Gebärdensprache, Fingeralphabet und Lautsprache
2) aus "Zum Verhältnis von Stimme und Schrift" von Iris ter Schiphorst
"In und mit der phonetischen Schrift tritt ein ganz bestimmter Typ von Sprache, nämlich die Eindimensionalität, Abstraktheit und Linearität der 'Laut'-Sprache ihren Siegeszug um die Welt an. Es ist der Sieg der vom Körper und vom Raum losgelösten, buchstäblich unsichtbaren Lautzeichen."
"... als auch eine Sprache des Raumes und der Bewegung verdrängt hat. In der phonetischen Schrift ist heutzutage weder ein Hinweis auf ihre - erwiesenermaßen - bildlichen Anfängen zu finden, noch auf das Vorhandensein einer 'anderen', nicht-phonetischen Sprache. Die phonetische Schrift bildet somit ausschließlich Laut-Sprache ab."
3) von Helmut Oehring
Grünfarbeblau
Stummstill
Sehr warmmüde
Wasserschleim
Viel still und Schweigen auf ganzen Welt.
Seerutschsand
Oh, viel weint.
Schleimwassersee
Ach, daß schon zu früh Herbstwetter.
Glattspiegel
Sehen über schöne Seebrückenmeer.
Kaltluft
Schwachgrünblaue Filterlichtfarbe
Tunnelgraben
Nebeldünnrauch
Seemeerschwimmen
Dargestellt in Gebärdensprache, Fingeralphabet und Lautsprache
The Silence
The more I write, the more the silence seems
to be eating away at me
C.K. Williams
My room is whitewashed,
as white as a rural station house
and just as silent;
whiter than thicker bones
bleaching in the moonlight,
pure garbage
and just as silent.
There is a white statue behind me
and white plants
growing like obscene virgins,
pushing out their rubbery tongues
but saying nothing
My hair is the one dark.
It has been burnt in the white fire
and is just a char.
My beads too are black,
twenty eyes heaved up
from the volcano,
quite contortec.
I am filling the room
with the words from my pen.
Words leak out of it like a miscarriage.
I am zining words out into the air
and they come back like squash balls.
Yet there is silence.
Always silence
Like an enormous baby mouth.
The silence is death.
It comes each day with its shock
to sit on my shoulder, a white bird,
and peck at the black eyes
and the vibrating red muscle
of my mouth.
Anne SextonDie Stille
Je mehr ich schreibe, desto mehr scheint die Stille
an mir zu nagen
C.K. Williams
Mein Zimmer ist weiß getüncht,
so weiß wie ein Polizeirevier auf dem Lande
und ebenso still,
weißer Hühnerknochen,
die im Mondlicht bleichen,
bloßer Abfall
und ebenso still.
Hinter mir steht eine weiße Plastik
und weiße Pflanzen,
die wie obszöne Jungfrauen wachsen,
ihre biegsamen Zungen herausstrecken, aber
nicht sprechen.
Dunkel ist allein mein Haar.
Es ist in dem weißen Feuer verbrannt,
ist kohlschwarz.
Meine Perlen sind auch schwarz,
zwanzig Augen, herausgewürgt
aus dem Vulkan,
ganz deformiert.
Ich fülle den Raum
mit den Wörtern aus meinem Stift.
Wie eine Fehlgeburt sickern Wörter heraus.
Ich schleudere Wörter in die Luft,
und sie kommen zurück wie Squaschbälle.
Und doch ist Stille.
Immerzu Stille.
Wie ein riesiger Säuglingsmund.
Die Stille ist der Tod.
Sie kommt jeden Tag als ein Schock,
setzt sich, weißer Vogel, auf meine Schulter,
pickt an den schwarzen Augen
und dem vibrierenden roten Muskel
meines Munds.
Anne Sexton
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